Station Nr. 21

Euskirchen-Kreuzweingarten

[Wanderweg Km 44,3]

Aufschluss des Römerkanals

Entstehung des Kalksinters im Römerkanal. Mit zunehmender Versinterung der wasserbenetzten Flächen stieg der Wasserspiegel im Römerkanal an und erreichte neue Zonen an der Wandung.
Im Schichtenaufbau der Grabplatte der hl. Lüfthildis (Meckenheim-Lüftelberg, St. Petrus) ist der Vorgang der Versinterung gut ablesbar: unten die durchgängig versinterte Fläche und darüber die durch den ansteigenden Wasserspiegel verursachte schichtenweise Ablagerung.
Für den Ersatz der bei einem Brand zerstörten Kalksinterplatten in der Burg Dankwarderode (Braunschweig) wurde 1887 in Kreuzweingarten noch einmal Kalksinter gebrochen; möglicherweise entstand das Foto aus diesem Anlass.

In diesem sorgfältig hergerichteten Leitungsaufschluss beeindruckt vor allem die Mächtigkeit der Kalksinterablagerungen. Diese Sinterschichten lassen eine ununterbrochene Nutzungszeit des Kanals von mindestens 190 Jahren errechnen. Der versinterte Querschnitt lässt zwar auf der Sohle nur noch eine Durchfl ussweite von 0,12 m offen, aber nach hydraulischen Berechnungen ließ selbst dieses verengte Profi l noch eine Tagesleistung von 20.000 m³ Trinkwasser zu. Diese Transportleistung wäre erst dann reduziert worden, wenn das Wasser mit seiner Oberfl äche den Scheitel des Kanalgewölbes erreicht hätte. Da das aber augenscheinlich nicht der Fall war, hätte das System durchaus noch einige Zeit funktionieren können.

Die Kalksinterablagerungen in der hier anzutreffenden Stärke haben das Bauwerk im Mittelalter äußerst attraktiv für die „Aquäduktmarmor“-Gewinnung gemacht. Hier bei Kreuzweingarten dürfte das Hauptabbaugebiet gewesen sein, wo sich das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Schmuckstein für die Ausgestaltung der romanischen Bauten gewinnen ließ. Von hier stammen die wunderschönen Säulen und Grabplatten, die wir im ganzen Rheinland, aber darüber hinaus auch in den Niederlanden, in Dänemark und in England in den Kirchen und Burgen des 11. – 13. Jahrhunderts bestaunen können.

Ein zeitgenössisches Foto gibt einen Eindruck von der Schwierigkeit dieser Abbautätigkeit wieder: Um nämlich an den begehrten Baustoff Kalksinter heranzukommen, musste als erstes die dem Frostschutz dienende Überdekkung komplett entfernt werden, dann war das Mauerwerk des Römerkanals vollständig abzubrechen, und zwar bis nur noch die Kalksinterablagerungen übrigblieben. Erst dann war der Kalksinter in den gewünschten Längen abzusägen, um daraus Säulen, Altarplatten u. ä. herstellen zu können. Unter der Hand der geschickten Steinmetze des Mittelalters wurden aus dem unscheinbaren Kalksinter die wunderschönen Werkstücke gefertigt – aus Kalksinter wurde „Aquäduktmarmor“!

Besuchen Sie nahe gelegene Sehenswürdigkeiten:

Bad Münstereifel. In der Stiftskirche sind Säulen, Türstürze, Treppenstufen und die Altarplatte aus Aquäduktmarmor gefertigt worden. In der polierten Oberfläche der Altarplatte sind die Abdrücke römischen Mauerwerks erkennbar.

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