Station Nr. 11

Mechernich-Eiserfey

[Wanderweg Km 25,6]

Kalksinterblock am Sammelbecken

Im Falle der Eifelwasserleitung wuchsen die Ablagerungen bis zu einer Stärke von 30– 40 cm an. Und nur in der Eifel entstand ein Kalksinter, dessen Qualität vom optischen Eindruck her einem Marmor gleichkam. Im Römerkanalaufschluss Euskirchen-Kreuzweingarten ist die Kalksinterablagerung 30 cm stark (Station Nr. 21).
Die Altarplatte der Stiftskirche in Bad Münstereifel zeigt auf der polierten Oberfläche ebenfalls den negativen Abdruck des Kanalmauerwerks.
Der hier gezeigte Kalksinterblock ist unbearbeitet. Er stammt aus der Ablagerung an der Kanalwange. Auf seiner Rückseite ist noch der negative Abdruck des Kanalmauerwerks zu sehen.
Der Kalksinterblock ist hier genauso aufgestellt worden, wie er aus der Leitung entnommen worden ist.

Nach dem Abzug der Römer aus dem Rheinland wurde die Eifelwasserleitung nicht mehr genutzt, blieb aber wegen ihrer sorgfältigen Bauweise auf weite Strecken gut erhalten. Das hohe Mittelalter bediente sich des Bauwerks dann auf andere Weise und nutzte es als Steinbruch für den Bau von Kirchen, Klöstern und Burgen. Da es im hohen Mittelalter auch an Schmucksteinvorkommen in erreichbarer Nähe mangelte, bediente man sich diesbezüglich der Kalksinterablagerungen im Römerkanal, die zur Herstellung von Säulen, Grab- und Altarplatten verwendet wurden. Wir nennen dieses Material heute ‚Aquäduktmarmor‘, weil unter der Hand des Steinmetzen aus dem Kalksinter ein marmorähnlicher Werkstein entstanden ist. In über 100 Burgen und Kirchen im Rheinland und weit darüber hinaus fand dieses originelle Material Verwendung.

Das wirft sogleich die Frage auf, wie diese Ablagerungen denn entstanden sind? Im Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln fi ndet sich eine sehr plausible Erklärung für die Entstehung des Kalksinters formuliert: „Beim Versikkern von Niederschlag durchläuft das Wasser den Boden, in dem durch mikrobiellen Aufbau organischer Substanz recht große Konzentrationen von Kohlendioxid vorhanden sind - meist um eine Zehnerpotenz höher als in der Atmosphäre. Das Wasser fließt dann mit diesen hohen Konzentrationen an Kohlendioxid als Grundwasser durch das Gestein und löst dort vorhandenen Kalk bis zur Sättigung. Wenn ein so kalkgesättigtes Grundwasser in einer Quelle wieder zutage tritt, gerät es in Kontakt mit der Atmosphäre und deren niedriger Konzentration an Kohlendioxid, mit der im Gleichgewicht (temperaturabhängig) meist eine weit geringere Menge an Kalk löslich ist. Der nicht mehr lösliche Anteil an Kalk wird dann als Kalksinter abgeschieden.“

Das hier gezeigte Stück stammt aus einer Baustelle in Mechernich-Lessenich.

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